

Ich wollte unbedingt vor ihr da sein. Als ich in den Club kam, saß Jiaoying Summers längst auf der Couch, winkte mich heran und begrüßte mich, als würden wir uns seit Jahren kennen. So viel zum Plan.
Der Job kam über Live Nation, wie vorher schon bei Ronny Chieng. Jiaoying ist chinesisch-amerikanische Comedian, in Henan geboren, mit achtzehn in die USA, inzwischen über eine Million Follower und ein Abend im Apollo Theater auf dem Konto. An diesem Abend stand sie im Punchline Club in Berlin.
Vor der Show hatten wir anderthalb Stunden, und die meiste Zeit davon haben wir geredet. Über Berlin, über das Leben hier, über alles außer dem Shooting. Fotografiert habe ich nebenher: beim Schminken vor dem Spiegel, wo das warme Licht der Garderobe schon fast alles richtig gemacht hat, und später an der Bar, wo ich das Licht selbst gesetzt habe. Eine klare Richtung auf ihr Gesicht, der Raum dahinter dunkel. Im Gang zur Bühne dann das Gegenteil: helles Tageslicht, weiße Wand, kein Versteck.
Und dann war da das Bier. Alkoholfrei, wohlgemerkt. Ich fand, daraus lässt sich mehr machen, also haben wir eine kleine Nummer daraus gebaut: Flasche angesetzt, Kopf in den Nacken, Blick wie nach einer sehr langen Woche. Wer die Bilder sieht, vermutet einen beherzten Schluck Mut vor dem Auftritt. Drin war exakt null Prozent. Der beste Gag des Abends, und der einzige, den ich beigesteuert habe. Sie hat ihn deutlich besser gespielt als ich ihn erklärt habe.
Danach bin ich ihr durch den Abend gefolgt, inklusive ein paar alberner Bilder mit ihrem Mann. Manche Shootings sind ein Termin im Kalender. Dieses war eher ein Abend mit jemandem, den man vorher nicht kannte und danach nicht mehr missen will.





Backstage während Ihr Mann, die Ansage macht ->



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